Der Lesefisch

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Die erste Jagd Kapitel 3

„Sie kommen! Sie kommen!“ Iranos’ Sohn kam zu den Feldern gerannt. Er strahlte über das ganze Gesicht als er rufend und mit den Armen rudernd die frohe Kunde überbrachte. Konnte es wahr sein? Wir blickten uns an. Ich konnte nur hilflos mit den Schultern zucken, denn die Frage in ihren Augen konnte ich nicht beantworten. Nur ein Moment des Zögerns, dann fielen die Hacken zu Boden, und wir rafften die Röcke, um dem Kleinen nachzueilen, der, auf dem Absatz kehrt gemacht, wieder in die Richtung lief, in der er die Staubwolke gesichtet hatte. Bald schon hatten wir ihn eingeholt. Für einen Moment hielten wir inne, um bangen Herzens zu überprüfen, ob es nicht doch eine Herde Borias’ war, die dort vorbeizog. Dann aber gab es kein Halten mehr.

Und während das Blut in meinen Ohren sang, während mein Puls im Takt meiner Schritte pochte, hoffte ich für einen Moment, dass sich Soleos geirrt hatte. Dass er etwas falsch verstanden hatte, und dass mein Vater aus der Mitte der Anderen treten würde, um mich zu umarmen.

Doch je näher wir dem Zug der Jäger kamen, desto schwerer schien die Luft zu wiegen. Und als wir ihnen schließlich gegenüber standen, war es kein freudiges Lärmen, das uns wieder zusammenfügte. Es war ein stilles Wiedersehen.

Ich sah mich um. Meine Hoffnung hatte mich getrogen. Aber der Schreck wich schnell einem seltsamen Gefühl der Gelassenheit. In dem Wissen, alles für meinen Vater getan zu haben, was ich hätte tun können, und in dem Wissen um seine Liebe für mich, war ich zu diesem Zeitpunkt von niemandem angreifbar. Vielmehr konnte ich mich unter den Leuten umsehen, um Hilfe dort anzubieten, wo sie benötigt wurde. Da trennte sich Guron von seinen Eltern und trat an meine Seite.

„Lass dir Zeit.“

Ich sah ihn nur an. Er erkannte meinen Schmerz. Schweigend griff er an seinen Gürtel und löste den kleinen Beutel, den jeder von uns trug. Es war der Stein, den wir von Anbeginn unseres Lebens mit uns trugen. Behutsam legte er ihn in meine Hand.

„Dein Vater bat mich, dir dies zu geben. Er sagte, du wüsstest, was damit zu tun wäre.“

Ich nickte. Einem Nebelschleier gleich, verhüllten Tränen meinen Blick, als ich den Beutel an meinem Gürtel befestigte. Die Zeit schien stillzustehen. Erst als Guron meinen Arm sanft umfasste, um mich zu stützen, bemerkte ich, dass sich der Zug langsam wieder in Bewegung gesetzt hatte und der Ragasta entgegenstrebte. Er hinkte, wollte es sich aber nicht anmerken lassen, und so schwieg ich dazu. Lange Zeit wechselten wir kein Wort. Wir kamen nur langsam voran, denn er war nicht der einzige Verletzte. Zudem wechselten sich die Männer an einer Art Schlitten ab, auf dem Decken das verhüllten, was sie transportierten. Einzig der Geruch drang zu uns. Er kündete von Verwesung.

Am Stammesfeuer angekommen, erwartete Andreos uns bereits.

„Habt ihr Beute gemacht?“

Iranos trat vor.

„Das haben wir. Ist dem Willen Umshi’mas Genüge getan?“ Er klang nicht zornig, nur müde, sehr müde.

Damit gab er ein Zeichen. Die Decken wurden zurückgezogen und enthüllten die Leiber von sechs toten Borias, deren Bäuche aufgeschlitzt und ausgenommen waren. Man hatte ihnen das Fell gelassen, doch mehr erinnerte kaum an die schnellen Steppenläufer.

Andreos nickte anerkennend.

„Wir werden sehen, was er in seiner Güte entscheiden wird.“

Iranos maß den Priester mit einem undeutbaren Blick. Dann senkte er den Kopf.

„Was wird nun geschehen. Sag uns was wir tun sollen, Andreos.“

„Es ist Zeit für ein Fest. Ihr habt großes geleistet, nun wollen wir die Früchte eurer Mühen würdigen…“

Iranos schüttelte den Kopf.

„Lasst uns erst die Toten betrauern.“

Andreos betrachtete den groß gewachsenen Sprecher vor ihm.

„Wie viele?“ Seine Stimme war dunkel.

„Megreos, Teodores, Hurgor. Sie starben auf der Jagd.“

„Sie starben für uns. Lasst uns ihre Seelen ehren. Sie haben ihre Plätze am Stammesfeuer auf ewig. Bringt das Fleisch zum Feuer, dort wird es zubereitet. Heute ist ein Tag der Freude.“ War es Starrsinn, denn man aus diesen Worten heraushören konnte?

„Tut, wie er geheißen hat.“ Iranos widersprach nicht, doch der Unwille flackerte in seinem Blick nur zu deutlich auf – wenn auch nur für einen Wimpernschlag.

Er sah mich noch einmal fragend an, so als ob er erst jetzt die Zeichen der Trauer an mir wahrnahm, doch schon wurde er von seiner Frau in das Innere ihrer Raga gezogen.

Guron schwieg neben mir. Doch er nahm meine Hand in seine und brachte mich zu der Raga, die ich nun alleine bewohnen würde.

„Wenn du jemanden brauchst – dann werde ich da sein.“

Mit diesen Worten wandte er sich zum Gehen. Nach ein paar Schritten jedoch geriet er ins Straucheln und stürzte.

„Guron!“

„Lass mich, es geht schon.“

Ich hockte mich zu ihm.

„Du hast meinem Vater geholfen, als er in Not war. Warum verweigerst du mir, das gleiche für dich zu tun?“

Er schwieg stur. Trotzdem ergriff er die Hand, die ich ihm reichte und folgte mir in die Raga, wo er, kaum auf dem Lager hingestreckt, vor Erschöpfung einschlief. Es war mir recht so, denn so konnte ich seine Wunden in Ruhe versorgen.

Er hatte das Geschehen durch ihre Augen verfolgt. Er bemerkte, wie sich die Schwingungen verändert hatten. Ihre Gemeinschaft war wieder vereint, während seine weiter zerfiel. Es fiel ihm immer schwerer, in dem Wissen um das Sterben seiner Gefährten, in der Kammer zu verweilen und zu geben. Seine Kraft schwand, sein Licht wurde schwächer. Aber so lange er es noch konnte, würde er sie beobachten. Und als er sah, wie sie sich um einen ihrer Gefährten kümmerte, stellte er sich vor, dass er es wäre. Gefangen in dieser Vorstellung, spürte er ihr Rufen. Sie sang wieder, nannte ihn bei seinem Namen. Und er folgte dem Ruf…

Guron erwachte von ihrer rauchigen Stimme, die leise beschwörende Laute in die Dunkelheit entsandte. Das rote Licht wand sich um ihn herum, berührte ihn, und wo es ihn berührte, spürte er Wärme. Er rührte sich leicht. Tarua sah ihn an. Mit einem leichten Kopfschütteln bedeutete sie ihm, ruhig zu bleiben.

Lass es geschehen, sprachen ihre Augen Dann unterbrach sie ihren Gesang. „Das ist Soleos, er wird dir helfen“, erklärte sie.

„Wer?“

„Soleos“, wiederholte sie schlicht, „unser Licht, unser Freund. Es ist gut so, wie es ist.“

Guron sah sie nachdenklich an. Nach einer Weile spürte er die Kraft in seine Glieder zurückkehren. Aber eines ließ ihn nicht los.

„Du sprichst mit dem Licht?“

„Schon seit einer Weile, ja. Aber wir wussten lange Zeit nichts von einander. Erst als Vater starb, zeigte er sich mir.“

„Daher wusstest du?“

„Ja.“

„Tarua – warum ist es gegangen? Warum hat es uns verlassen – das Licht?“

Sie sah ihn fragend an.

„Ich weiß es nicht. Kann es sein, dass wir das Licht verlassen haben?“

Guron schüttelte den Kopf.

„Nein, wir haben gelebt und gearbeitet wie immer. Wir haben den Morgengesang und den Abendgesang so gesungen, wie es uns bestimmt war von den Ahnen. Sag mir, wann haben wir es also verlassen?“

„Ich weiß es doch auch nicht. Ich weiß nur, dass Soleos mir antwortet, wenn ich ihm singe. Auch wenn der Gesang nicht mehr gern gesehen wird.“

Guron nickte. Er verstand es nicht, noch nicht, vielleicht würde er es nie verstehen, aber er achtete ihre Haltung.

„Guron? Sag, was habt ihr erlebt?“ Ihre Stimme war leise geworden. Sie sah ihn verstohlen an.

„Eine lange Geschichte.“ Er wischte sich über die Augen. „Wir werden euch davon am Feuer berichten. Es müsste bald soweit sein.“

Beide lauschten hinaus. Guron hatte Recht. Stimmen und Schritte wurden lauter, deren Ziel eindeutig das Feuer war. Er stand auf und reichte ihr seine Hand.

„Lass uns gehen.“

Wir hatten uns alle um das Feuer geschart. Der Duft gebratenen Fleisches mischte sich verstörend und gleichsam vertraut unter den Duft der Pilze, die in der Glut garten. Andreos eröffnete das gemeinsame Mahl mit einem Lobgesang an Umshi’ma, dann ergriff er ein Messer, das bislang nur die lederartigen Pilze der nahen Wälder zerteilt hatte, und schnitt ein Stück Fleisch aus der Keule des Borias, der über den Flammen briet. Wir sahen gespannt zu ihm, als er den ersten Bissen nahm. Ich hörte, wie Marula neben mir den Atem anhielt. Aber Andreos blieb stehen, obwohl er vom Tod gekostet hatte. Er dankte wieder Umshi’ma und forderte uns auf, das anzunehmen, was uns unser Gott geschenkt hatte. Die Männer griffen zuerst zu ihren Messern, doch ihre Mienen waren nicht von Freude und Dank erfüllt. Es war eher eine Pflicht, die sie zu erfüllen hatten. Guron bot mir etwas von seinem Anteil an, und nur ihm zu liebe überwand ich meine Befürchtungen. Der Geschmack war ungewohnt. Scharf legte er sich über die Zunge, benebelte für einen Moment in seiner Intensität die Sinne – schon wollte ich den Bissen wieder ausspucken, als er sich bereits den Hals hinunter schob. Wir aßen. Doch wirkten wir alle gleichsam betäubt von dieser Erfahrung.

Ich spülte meinen Mund mit einem Schluck Wasser und reichte den Becher an Guron weiter, der ihn in einem Zug leerte.

Gerade wollte ich ihn fragen, wann sie uns von ihren Erlebnissen berichten wollten, als Andreos Iranos das Wort erteilte.

Der Anführer der Jäger erhob sich. Er hob einen Stab in die Höhe.

„Seht, wir gingen vor zwanzig Kerben fort von hier. Zehn Kerben lang wanderten wir, ohne zu wissen, wie wir es anstellen sollten…“

Seine Stimme war raumgreifend. Während er erzählte, verdeutlichten die Männer seine Worte mit Gesten und Bewegungen. Wir alle konnten sehen, wie sie ihren Weg durch das Halbdunkel gebahnt hatten, wie sie abends am Lagerfeuer saßen und berieten, was sie jagen und wie sie es jagen sollten. Wir sahen die Borias, die eines Abends nah am Lager vorbeigezogen waren. Wir sahen, wie sich die Jäger an ihre Fährte hefteten. Und wir sahen, wie sie die gesamte Herde an einer Steilklippe gestellt hatten. Die Tiere, die die Menschen nicht als Feinde kannten, waren nicht zurückgewichen. Erst als Hurgor sein Messer in die Flanke des ihm nahe stehenden Borias getrieben hatte, hatten sie die Gefahr bemerkt. Hurgors Opfer rammte sein Geweih tief in dessen Seite, bevor es über ihm zusammenbrach. Die anderen suchten ihr Heil in der Flucht, doch kamen sie an den Männern nicht vorbei. Sie wählten die andere Richtung. Es hatte zwei Tage gebraucht, in die Schlucht zu steigen und das Wild zu bergen. Hurgor selbst hatten sie an Ort und Stelle bestattet. Ein Steinhügel würde für immer den Ort markieren, an dem man Umshi’mas Willen erfüllt hatte.

Auf dem Rückweg hatten Groars die Witterung des Todes aufgenommen. Wir hatten noch nie etwas mit ihnen zu tun gehabt – nur ihr Heulen hatte unseren Frieden bisweilen gestört. Und was wir für Kummer gehalten hatte, so erzählte Iranos nun, war in Wirklichkeit Hunger und Blutrausch. Sie hatten die Jäger angegriffen, als diese das erste Nachtlager errichteten, noch bevor das Feuer brannte. Auf einmal schien das Leben kurz und flüchtig. Sie hatten sich ihrer Haut erwehrt, so gut sie konnten. Gemeinsam töteten sie vier der Bestien. Die anderen flohen in die Dunkelheit, doch erst als man ihnen brennende Äste entgegengeschleudert hatte. Die Männer konnten Teodores nicht bestatten, denn ihn hatten die Flüchtigen mitgezerrt. Doch meinem Vater, Megreos, entboten sie die letzte Ehre. Er hatte sich am Leben festgeklammert, so erzählte Iranos dem Stamm, ohne mich dabei anzublicken. Aber am Morgen hatte er nicht widerstehen können und war Hurgor und Teodores gefolgt. Ich sah zu Guron, der die ganze Zeit bei ihm gewacht hatte und an den mein Vater seine letzten Worte gerichtet hatte.

„Hab Dank.“ Es war nur ein Wispern, doch es erreichte ihn.

Der Rückweg war beschwerlich. Die Groars ließen nicht von den Jägern ab, doch sie hatten herausgefunden, dass Feuer ihnen Einhalt gebot – und sie waren gewarnt. So hatten sie Wachen gebildet um die Lager zu schützen, anstatt zu schlafen wie sie es gewohnt waren. Am Tage kamen sie wegen der Verletzten und der Borias nur langsam voran. Während der Wanderung hatten sie das Licht beobachtet, das weiter abnahm in seiner Leuchtkraft. Und sie stellten sich allmählich eine Frage.

„Warum?“

Iranos beendete seine Rede und wandte sich Andreos zu.

„Warum hat sich nichts geändert? Wofür haben wir diesen Weg auf uns genommen?“

Die Müdigkeit war Zorn gewichen. Iranos war schon immer der gewesen, dessen Stimme am lautesten war, sei es beim Lachen, Singen oder Wüten. Und diesmal richtete er die Stimme gegen Andreos.

„WARUM?“

Der Priester erhob sich langsam. Sein Blick, kalt und scharf, wie er sich mir auf den Feldern enthüllt hatte, umfing Iranos.

„Mäßige dich, Sohn des Garos. Nicht die Jagd war die Prüfung – der Weg war es. Und ihr seid erst jetzt wieder angekommen. Nun wird Umshi’ma unsere Herzen prüfen. Du weißt doch, dass er uns Geduld lehrt. Beweise, dass du ein guter Schüler bist.“ Damit wandte er sich an uns alle, milder nun.

„Was er versprochen hat, wird er halten. Doch nur er weiß wann. Also seid guten Mutes, denn er lässt uns nicht allein.“

Iranos gab einen undeutbaren Laut von sich, setzte sich aber unter dem Blick des Priesters wieder, der uns mit einem Handzeichen aus der Aufmerksamkeit entließ und sich wieder der Abendrunde zuwandte.

Leise sprachen wir miteinander. Hier und da war ein vereinzeltes Lachen zu hören, zögernd erst, als ob es nicht geduldet wäre, doch erstarkend. Zu groß war die Erleichterung, wieder beisammen zu sein, als das man weiter schweigen wollte.

Als es später wurde und die ersten das Feuer verlassen wollte, erhob Guron seine Stimme.

„Megreos bat mich um eines.“

Der Stamm hielt inne. Alle Augen richteten sich auf ihn. Er wirkte unsicher und unwillkürlich drückte ich seine Hand. Er löste sich von mir und stand auf.

„Er bat darum, dass wir singen.“ Er holte tief Luft. „Den Abendgesang.“

„Warum sollten wir noch?“ murrte Iranos, „Es gibt kein Licht, für das wir singen könnten.“

„Weil er es sich gewünscht hat.“

Iranos sah Guron nachdenklich an. Dann jedoch erhob er sich und begann zu singen. Guron fiel mit ein, dann noch einer und noch einer, bis wir schließlich alle sangen. Andreos schien zunächst Einspruch erheben zu wollen, doch kam er nicht gegen die Stimmen an. Singen sah ich ihn nicht.

Er merkte auf. Die Musik von einst war wieder da. Sie griff hinüber zu ihm, erschütterte ihn. Die Dunkelheit, die ihn immer fester in ihren Griff genommen hatte, löste sich allmählich von ihm, wurde fortgesogen. Er dehnte sich aus. Diese Kraft stärkte ihn, und für einen Moment vergaß er die toten Gefährten. Viel war dort auf dem Planeten geschehen. Er hatte die Schwingungen vernommen, die von Müdigkeit, die dem Erlöschen so ähnlich war, gekündet hatten, aber auch das Aufblitzen einer anderen, alten Kraft. Und nun kehrte die Musik wieder. Er saugte sie förmlich auf, wandelte sie in sich um und gab Tarua und den Ihren sein Licht. Er war nicht in der Lage sich zu kontrollieren. Er bemerkte nicht, wie er mehr gab, als er aufnahm. Er bemerkte nicht, wie er an seine Substanz ging. Er würde es sehr bald erfahren, doch nicht in diesem Augenblick.

Wir standen dicht beieinander, einer die Hand des anderen haltend, sangen und sahen die Sonne aufgehen. Jetzt, am Abend, und wir waren verwirrt. Der Gesang erstarb auf unseren Lippen. Und ebenso wie der Gesang erstarb, erstarb auch das Leuchten wieder. Stumm sahen wir uns an. Guron zog mich an sich, als er mein Zittern bemerkte, doch wusste er den Ursprung darum nicht. Meine Angst entsprang der Sorge um Soleos. Was geschah mit ihm?

Er hielt inne. Gerade rechtzeitig regelte er den Fluss seiner Essenz herunter, bevor er verlöschen konnte. Schrecken erfüllte ihn, als er spürte, wie wenig von ihm geblieben war. Doch dann hörte er seinen Namen, einem Wispern gleich. Tarua war bei ihm. Er entdeckte die selbe Schwingung die er wahrgenommen hatte, als sie ihren Gefährten gepflegt hatte. Sorge - es war Sorge, und sie galt nun ihm. Er pulsierte schwach. Schlaf - sie ermahnte ihn, zu schlafen. Er legte sich nieder.

Das Licht, welches seit Anbeginn der Jagd nie mehr ganz gewichen war, schwand nun vollends. Übrig blieb der Schein des Stammesfeuers, der die ganze Szene in unheimlich tanzende Schatten tauchte.

Andreos sammelte sich. Dann wandte er sich uns mit einer huldvollen Geste zu.

„Er hat euch erhört. Der Kreislauf wird sich erneuern, so wie wir uns, durch die Jagd, auf die er uns geschickt hat, erneuern!“

Für einen Moment herrschte Stille. Dann erhob sich ein Jubeln in die Nacht, die das nahe Heulen der Groars übertönte. Ich sank auf die Knie. Es war falsch! Alles falsch! In meinem Kopf herrschte reines Chaos, vor meinen Augen blitzen blutrote Schatten, und eine Ahnung vom Tod rann durch meine Adern. Doch dieser Tod war größer und weitreichender, als alles, was uns bekannt war. Ich konnte nicht aufhören, zu zittern.

Guron brachte mich zurück in die Hütte. Als er sich zum Eingang wandte, sah er mich besorgt an.

„Ich werde zurückkommen, sobald die Wachfeuer entzündet sind. Versuche zu schlafen.“

Ich nickte nur, unfähig die Angst zu benennen, die mich heimsuchte.

„Ich bin bald wieder hier.“

23.10.06 21:23, kommentieren

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